202101.27
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Die Frage nach Vertrauen, die Frage nach Akzeptanz

Vertrauen ist gemäß Niklas Luhmann ein Mechanismus der Komplexitätsreduktion, aber was hilft das im Kontext der KI?

Bezeichnend ist, dass die zukünftigen Vorteile des Einsatzes von KI immer recht ungenau umrissen werden. Oftmals kommen dabei Standardaussagen wie „Die KI wird ebenso wie das Internet alle Lebensbereiche revolutionieren“ – bezüglich konkreter Auswirkungen auf Alltag und Arbeit bleiben die Antworten allerdings bestenfalls vage. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass die Zukunft – auch aufgrund der, in immer kürzeren Intervallen entwickelten, innovativen Technologien – zunehmend unvorhersehbar wird. So herrscht beispielsweise selbst unter Wissenschaftlern keine Einigkeit darüber, wann beziehungsweise ob überhaupt die Singularität erreicht oder ob es tatsächlich leistungsstarke Quantencomputer geben wird. Dass dies Auswirkungen auf die Menschen hat zeigt sich an den Ergebnissen des aktuellen Online-Vertrauens-Kompass (ovk) des ‚Bundesverband Digitaler Wirtschaft’ (BVDW) in der 46 Prozent der Befragten angeben: „Die schnelle Veränderung unserer Lebensbedingungen durch zunehmende Technisierung und Vernetzung macht mir Angst“ [1].

Trotzdem wird der Einsatz von Technologie sowie der Umgang mit persönlichen Daten und deren Verwendung, etwa zur Erstellung von ‚Digitalen Identitäten’ zunehmend diskutiert, oftmals jedoch mit den Standardargumenten positiv konnotiert. Denn letztendlich gibt es hierfür gute Gründe: eine bedeutende Prämisse ist, dass sich aufgrund der Digitalisierung, und im Weiteren mit KI, das Leben immer komfortabler und problemloser gestalten lässt. Dadurch ist auch folgendes Paradox erklärbar: Menschen vertrauen generell dem Gros der Anbieter nicht, dass diese vernünftig mit ihren Daten umgehen. Im Gegenteil: Studien, unter anderem der aktuelle ovk [6], zeigen dass 70 Prozent der befragten Personen sagen: „Ich achte darauf, welche Cookies ich auf Websites zulasse, lösche Cookies regelmäßig oder benutzte Browser, die ein Tracking einschränken“ oder das 89 Prozent sehr vorsichtig im Internet agieren „weil man nie weiß, wen man im Internet vor sich hat“ [1]. Ungeachtet dessen nutzen sie weiter die Dienste von Unternehmen, die nachweislich Daten in erster Linie zur eigenen Gewinnmaximierung und damit letztendlich zur höchstmöglichen Marktkapitalisierung einsetzen.

Dafür, dass Menschen Anwendungen scheinbar durch ihr konkludentes Handeln Vertrauen schenken, obwohl sie diesen de facto affektiv misstrauen kann es noch einen weiteren Erklärungsansatz geben: Von dem erkennbaren Umgang mit den Daten seitens der Anbieter bis hin zu deren Nutzung im Rahmen der KI ist es ein weiter Schritt, der nicht für jedermann einfach nachvollziehbar ist. Denn Fakt ist, dass ein Großteil der Bevölkerung – wie verschiedene Studien belegen – keine genauen Kenntnisse darüber hat, was KI tatsächlich ist. Auf Basis dieser Überlegung stimmen Ergebnisse wie etwa, dass „die deutschen Arbeitnehmer [..] in dem Gespräch mit einem Chatbot einige Vorteile [sehen]: eine urteilsfreie Beratung (34 %), unvoreingenommene Gespräche über Probleme (23 %) und schnelle Antworten auf gesundheitsbezogene Fragen (28 %)“ nachdenklich [1] – allein aus dem Grund, dass fraglich ist, auf welcher Basis die Befragten die Referenz für ihre Aussagen herleiten oder ob diese auf reiner Illusion beruhen. Sind diese Angaben dann tatsächlich so valide, dass sie für die Weiterentwicklung der KI genutzt werden können?

[1] Online-Vertrauens-Kompass 2020 https://www.bvdw.org/themen/publikationen/detail/artikel/online-vertrauens-kompass/

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