202102.23
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Mehr Wertekompetenz für Unternehmen

Um den Geschäftserfolg langfristig zu gewährleisten ist es für Unternehmen mittlerweile geboten sich mit ihrer ethischen Haltung – auch im Hinblick auf den Einsatz neuer Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz – zu positionieren und diesbezüglich eine kongruente Kultur zu gestalten. Mit dieser Aussage geht ein Großteil der Aufsichts- und Beiratsmitglieder konform, dies belegen verschiedene Studien. Denn gemäß deren Erfahrung tragen unter anderem ethische Werte dazu bei, die unternehmerische Resilienz sowie die Akzeptanz der Kunden zu erhöhen und so die Profitabilität nachweislich zu steigern. Doch de facto wird das nur erfolgsversprechend sein, wenn diese Positionierung keine reine Rhetorik ist. Folglich gilt es, für eine persistente Umsetzung einen Modus Operandi zu finden. Zu diesem Zweck ist die Errichtung einer Wertearchitektur in Unternehmen empfehlenswert, in der die relevanten Werte beziehungsweise das individuelle Selbstverständnis seitens der Führungsebene definiert und resultierend daraus obligatorisch verankert sind.

Hierin kann unter anderem – sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Kunden – explizit die Unternehmensvision hinsichtlich der eigenen Verantwortung für die Mitgestaltung der Gesellschaft im Rahmen der Digitalisierung dargelegt und im Weiteren konkretisiert werden, wie das Unternehmen diesbezüglich agiert. Im gleichen Sinne bietet sich darüber die Möglichkeit dediziert ein Regelwerk zu etablieren oder – alternativ – die Integration in ein standardisiertes Reputationssystem realisieren, um die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens permanent sicherzustellen: dadurch lässt sich – etwa im Kontext von Transparenz – eine Vorgehensweise regeln, die zwingend zu beachten ist, um die teilweise diametralen Interessen zwischen Anbietern und Kunden vertretbar auszugleichen oder alle Maßnahmen zu benennen, die zur Aufklärung der Menschen im Bereich der neuen Technologien beitragen.

Doch es kann meines Erachtens nicht oft genug betont werden, dass dies nicht lediglich Soll-Vorschriften sein können, die sich zum Beispiel gut in Nachhaltigkeitsberichten machen. Ganz im Gegenteil: sie müssen tatsächlich als Vereinbarung ernstgenommen und entsprechend von den Mitarbeitern sowie, in vorderster Linie natürlich, von den Führungskräften gelebt werden – das heißt mit anderen Worten, konsequent im Tagesgeschäft Anwendung finden. Auch wenn an diesem Punkt vermutlich nahezu jeder dieser Meinung problemlos zustimmen kann – allein aus dem Grund, da mittlerweile bekannt ist, dass Unternehmen, die sich insbesondere in Bezug auf Datenerhebung und deren Nutzung unethisch verhalten, zunehmend von Kunden abgestraft werden – spiegelt sich diese Erkenntnis in der Realität noch nicht unbedingt wider.

Eine vertane Chance, denn nur ein transparentes, verantwortliches und vertrauenswürdiges Handeln von Unternehmen schafft langfristig Akzeptanz und Vertrauen beim Kunden, was letztendlich auch als Voraussetzung für die Nutzung von innovativen Technologien, Anwendungen und Diensten gilt. Da Studien zeigen, dass weiche Faktoren wie Unternehmenskultur und moralische Grundsätze im Aufsichtsrat/Beirat nur selten angesprochen werden, könnte es sinnvoll sein, explizit im Gremium eine Position mit den gebotenen Kompetenzen zu besetzen.

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